Monatsarchiv für Oktober, 2009

2 von 18: 16 und 43

Auf der Stuttgarter Waldau trafen heute zwei 18mal18er aufeinander: auf Stuttgarter Seite spielte Sebastian Rudy mit der Nr. 16 zunächst im linken, nach einem frühen verletzungsbedingten Wechsel im rechten Mittelfeld, beim Gast aus Bremen hatte die Nr. 43, Pascal Testroet, seine Verletzung doch rechtzeitig überwunden und lief im Sturm auf. Keiner der beiden konnte dem Spiel seinen Stempel aufdrücken; letztlich hatte aber nicht nur die Mannschaft von Werder Bremen, sondern auch Testroet in diesem Duell die Nase vorn.

Der junge Bremer wirkte sehr robust, anfängich auch etwas unbeherrscht, und beschäftigte die Stuttgarter Innenverteidiger während das gesamten Spiels, wobei er mich ein wenig an Benjamin Auer erinnerte. Unmittelbare Torgefahr strahlte er allerdings nur selten aus.  Sebastian Rudy hingegen hatte die größte Torchance des gesamten Spiels, setzte den Ball aber aus kurzer Distanz an das Außennetz. Ansonsten zeigte er sich zumeist ballsicher, mitunter agierte er aber etwas zaghaft und ließ sich einige Bälle stibitzen.

Nachdem er zuletzt in Hannover noch eine halbe Stunde in der Bundesliga spielte, ist er nun also wieder zurück in der Drittligamannschaft, wo er in den letzten Wochen zumeist zum Einsatz kam und dabei auch den Siegtreffer gegen Burghausen erzielte.

Ob sich Rudy tatsächlich, wie in der lokalen Presse kolportiert, mit Abwanderungsgedanken zur Winterpause trägt, weiß ich nicht; überraschen würde es mich indes nicht. Während es für einige andere 18mal18er ein Erfolg wäre, das eine oder andere Mal bei einem Bundesligaspiel im Kader zu stehen (so sicherlich auch für Pascal Testroet), ist Rudy eigentlich schon einen Schritt weiter – dementsprechend sind seine Ziele zweifellos etwas höher angesiedelt.

Ich würde mir natürlich wünschen, dass er seine Bundesligaeinsätze weiterhin in Stuttgart bekommt und diese Chancen dann auch nutzt. Um sie zu bekommen, darf er allerdings auch in Liga 3 durchaus noch eine Schippe drauflegen.

Der lange Weg zum Fußballprofi

In der dritten Liga läuft es für Pascal Testroet in dieser Saison gut. Man könnte sogar sagen richtig gut – wären da bloß nicht diese Verletzungen. Nachdem er einen Bänderriss überstanden hatte und sich mit bereits drei Doppelpacks in der laufenden Saison in toller Form präsentierte, verpasst er wohl nun durch eine neuerliche Verletzung die große Chance auf sein Debut in Werders Profiteam. Diese Chance hätte der beste Torschütze aus Werders U23-Mannschaft wiederum dem Verletzungspech seiner Mannschaftskameraden zu verdanken gehabt.

Claudio Pizarros Einsatz im Bundesligaspiel morgen gegen Nürnberg ist noch unklar. Hugo Almeida ist nach langer Pause körperlich noch nicht wieder auf der Höhe. Marcelo Moreno verletzte sich bei seinem Auftritt im Pokal gegen Kaiserslautern ebenso wie Torsten Oehrl, Pascals Sturmkollege aus der zweiten Mannschaft, der am Mittwoch sein erstes Tor für die Profis erzielt hatte. Neben dem gesetzten Marko Marin stehen damit nur noch Markus Rosenberg und Said Husejinovic für den Angriff zur Verfügung. Beide haben bei Thomas Schaaf momentan nicht die besten Karten: Rosenberg wurde letztes Wochenende aus dem Spieltagskader gestrichen und musste im Pokal 90 Minuten auf der Bank sitzen. Husejinovic gehört zu den drei Spielern, die in der letzten Transferperiode verkauft werden sollten und nun nicht mehr eingesetzt werden. Am Mittwoch stand er zum ersten Mal in dieser Saison im Kader. Es hätte Pascals große Chance sein können.

Nun hat er sich am Mittwoch im Training eine Fußverletzung zugezogen und wird vermutlich nicht rechtzeitig bis zum Spiel wieder fit. Im Fußball sind es oft diese kleinen Zufälle, die über den Durchbruch eines Spielers entscheiden können. Teamkollege Oehrl hat es vorgemacht: Er war häufig zwischen erster und zweiter Mannschaft gependelt, stand teilweise an einem Wochenende bei zwei Spielen im Kader. Am Mittwoch konnte er sich mit seinem Tor für weitere Einsätze empfehlen. Seinen Einsatz über 45 Minuten hatte er Morenos Verletzung zu verdanken. Eine ähnliche Situation hätte auch Pascals Profikarriere ankurbeln können. So heißt es für ihn nun weiterhin hart zu arbeiten, in der dritten Liga Leistung zu bringen und auf die nächste Chance zu warten. Irgendwann wird er sie bekommen und hoffentlich auch nutzen. Doch wann?

Es ist Pascals erste “richtige” Saison im Herrenbereich, letzte Saison spielte er bekanntlich noch A-Jugend. Ein zu früher Einsatz in der Bundesliga kann die Entwicklung auch bremsen, dem Spieler fälschlicherweise signalisieren, er hätte schon viel erreicht. Auch die Öffentlichkeit könnte falsche, überzogene Erwartungen schüren, denen der Spieler (noch) nicht entsprechen kann. Man bedenke zum Beispiel die ersten Einsätze von Kevin Schindler oder Martin Harnik in Werders Profikader. Auf der anderen Seite kann der Schritt in den Profifußball auch zu spät kommen, bzw. gar nicht. Wer nach einigen Jahren in der zweiten Mannschaft eines Profivereins den Sprung in den A-Kader nicht geschafft hat, der wird ihn mit hoher Wahrscheinlichkeit auch nicht mehr schaffen. Die betreffenden Spieler sehen sich dann zumeist von selbst nach einem Arbeitgeber um, oder es wird ihnen vom Verein nahegelegt.

Zur Veranschaulichung zwei Beispiele: Ein ehemaliger Amateurspieler von Werder Bremen, dessen Namen ich nicht nenne, erzählte mir folgende Geschichte: Im Sommer 1997 gehörte er zu Werders Amateurkader. Trainer war damals ein gewisser Thomas Schaaf. Dessen Kollege bei den Profis, Dixie Dörner, stand bei Fans und Vereinsführung nach schwachem Saisonstart in der Kritik. Ein internationales Blitzturnier auf Teneriffa sollte die Mannschaft fernab vom Medienrummel zurück in die Spur bringen. Der Profikader wurde dabei um einige Amateure ergänzt; darunter auch besagter Spieler. Was folgte war eines der dunkelsten Kapitel in Werders Nachkriegsgeschichte. Gegen Gastgeber CD Teneriffa kassierte Werder eine 0:4-Klatsche. Torjäger Roy Makaay fertigte Werder in nur 16 Minuten mit einem Viererpack (!) ab. Vor dem Spiel am nächsten Tag gegen Atletico Madrid herrscht höchste Anspannung. Das Schicksal des Trainers steht auf dem Spiel. Dieser nimmt einige Umstellungen an der Mannschaft vor, setzt einige Amateure auf die Bank (meiner Erinnerung nach behauptete der besagte Spieler, in diesem Spiel zum Einsatz gekommen zu sein, was sich in der Spielstatistik jedoch nicht erkennen lässt). Werder spielt desolat, verliert das Spiel mit 0:8. Damit sind Dörners Tage auf der Trainerbank gezählt und auch der besagte Spieler beendet einige Zeit später demotiviert seine Karriere. Auslöser sei dieses Spiel gegen Atletico gewesen. Nach ein paar Jahren auf Regionalliganiveau hätte er gedacht, dass ihm niemand mehr etwas vormachen könnte. Spieler wie Christian Vieri und Juninho belehrten ihn wohl eines besseren. Der Schritt zum Profifußball war eindeutig zu groß.

Das zweite Beispiel betrifft ebenfalls einen ehemaligen Werder-Amateur, der inzwischen bei Borussia Wuppertal in der 3. Liga aktiv ist. In diesem Fall nenne ich den Namen: Mario Neunaber. Ich lernte Mario während meines Studiums kennen. Im Jugendbereich hatte er mit einigen Freunden von mir zusammen bei VfL 07 Bremen gespielt. Mit 13 wechselte er zu Werder Bremen. Er gehörte zu den wenigen, die es bei Werder durch den Jugendbereich bis in die Amateurmannschaft geschafft hatten. Ein echtes Eigengewächs. Doch dann ging es nicht mehr weiter. Der erhoffte Sprung zu den Profis blieb aus und Mario wechselte im Januar 2004 zu Sachsen Leipzig. Es folgte eine bewegte Karriere über die Stationen Preußen Münster, Kickers Emden, FC Ingolstadt und nun schließlich Wuppertal. Mit Ausnahme einer Saison in der 2. Bundesliga spielte er ausnahmslos in Liga 3. Bedenkt man, wie viele Spieler beim Kampf um eine Profilaufbahn auf der Strecke bleiben, ist das eine herausragende Leistung. Den großen Schritt zum “richtigen” Bundesligaprofi hat er trotzdem nicht geschafft.

Vielleicht reichte in beiden Fällen das Talent für eine große Fußballkarriere einfach nicht aus. Auch wenn man die Rolle des Zufalls* nicht unterschätzen sollte, wenn es um den Einstieg ins Profigeschäft geht, liegt es doch am Spieler selbst, seine Chance zu nutzen, wenn sie sich bietet. Und einmal bietet sie sich jedem. Früher oder später wird sich für Pascal Testroet eine ähnliche Situation wie an diesem Wochenende ergeben. Hoffentlich wird es für ihn der richtige Zeitpunkt sein. Denn dass er das Zeug zum Fußballprofi hat, ist nicht nur in Bremen unbestritten.

Edit: Zum zweiten Mal schreibe ich über eine Verletzung, wegen der Pascal Testroet beim nächsten Spiel nicht dabei sein kann – zum zweiten Mal steht Pascal noch am selben Tag trotzdem auf dem Platz. Vielleicht sollte ich ihm jede Woche eine Verletzung andichten…

* Wahlweise durch “Schicksal” oder “Fußballgott” ersetzen.

Leih mich aus

Richard Sukuta-Pasu genießt in Leverkusen den größten Respekt. Die Verantwortlichen des Vereins scheinen stets das Beste für den Junioren-Nationalspieler zu wollen. So überlegte man vor der Saison 2009/2010 Sukuta-Pasu auszuleihen. Zu gering schienen die Chancen für den 19-Jährigen, dass er Spiele auf höchsten Niveau machen könnte. Doch dann verletzte sich Patrick Helmes und man verwarf den Plan des Leihgeschäfts. Man bräuchte ja noch einen Stürmer in der Hinterhand.

Leider ist Sukuta-Pasu nicht über diesen Status hinausgekommen. In der ersten Mannschaft kam er nicht einmal zum Einsatz, auch nicht über den Umweg einer Einwechslung. Zu übermächtig ist die Konkurrenz im Sturm der Werkself. Während Stefan Kießling und Eren Derdiyok als Stammduo regelmäßig gute Leistungen zeigen und Tore schießen, ist Theofanis Gekas zwar in der Bundesliga alles andere als erfolgreich, dafür aber in der Nationalelf Griechenlands, was ihm bei Bayer zumindest Kurzeinsätze garantiert.

Sukuta-Pasu dagegen muss sich in der Regionalliga-Mannschaft beweisen (5 Spiele, 1 Tor) oder darf für die Junioren-Mannschaften des DFB ran. So zum Beispiel in Ägypten bei der U20-Weltmeisterschaft. Dort zeigt er auf hohem Niveau, dass er Leistungsträger sein kann und nebenbei helfen solche Turniere ungemein bei Entwicklung eines jungen Spielers. Der Leverkusener erzielte zwei Tore und scheiterte mit der Mannschaft erst im Viertelfinale unglücklich an Brasilien.

Der Winter naht nun, Patrick Helmes steht wieder auf dem Trainingsplatz und Sukuta-Pasus Chancen werden nicht gerade größer in den Kader zu rutschen. Zwar munkelt man gerade, dass Theofanis Gekas im Winter ausgeliehen werden könnte, jedoch bin ich der Meinung, dass der Junioren-Nationalspieler sich beispielsweise bei einem Zweitligisten erste Sporen auf höherem Niveau verdienen sollte. Wie gut so etwas einem Spieler tun kann, der noch in der Entwicklung steckt, durfte man bei Stefan Reinartz beobachten, der in der letzten Saison an Nürnberg ausgeliehen war und dort zum Leistungsträger avancierte.

In dieser Saison spielt Reinartz in den Planungen Jupp Heynckes immer wieder eine Rolle als Spieler, der sowohl in der Innenverteidigung, als auch im Mittelfeld spielen kann. Genau so etwas kann man Richard Sukuta-Pasu nur wünschen. Eine Saison einfach spielen, Matchpraxis sammeln, Tore schießen und zeigen was man drauf hat. Als Stürmer Nummer 4 oder gar 5 bei einem Spitzenverein kommt man nicht weiter in seiner Entwicklung.

Liebe Bayer-Bosse. Leiht ihn aus. Es kann nur in eurem Interesse sein!

Als FC-Profi zur WM

Reinhold Yabo und Bienvenue Basala-Mazana haben Profiverträge unterzeichnet.

Reinhold Yabo und Bienvenue Basala-Mazana haben Profiverträge unterzeichnet.

Eigentlich ist es bei 18mal18 schon fast ein Novum. Denn derweil hier bisher ausschließlich über die Karriere von Bienvenue Basala-Mazana berichtet wurde, taucht der Nachwuchsspieler des 1. FC Köln in beinahe sämtlichen anderen Medienberichten in einem Atemzug mit seinem gleichaltrigen Mannschaftskollegen Reinhold Yabo (17, defensives Mittelfeld) auf. Die Entwicklungen der beiden Spieler weisen so frappierende Ähnlichkeiten auf, dass die hiesige Presselandschaft nicht drumherum kommt, bei der Erwähnung des einen Kickers auch den anderen zu nennen.

Zum einen liegt es daran, dass die Eltern der beiden jeweils aus dem Kongo stammen, zum anderen aber vor allem daran, dass „Ben“ und „Ray“ nicht nur auf dem Platz im Gleichschritt unterwegs sind, auch in der Freizeit verbringen sie fast jede Minute miteinander. So auch bei der anstehenden U17-Weltmeisterschaft in Nigeria, die heute startet. „Reinhold Yabo und Bienvenue Basala-Mazana sind wieder gemeinsam auf dem Zimmer – natürlich. Die beiden Kölner Nachwuchsfußballer sind das seit Jahren nicht anders gewohnt, schon im Fußball-Internat des 1. FC Köln belegten sie über drei Jahre lang ein Doppelzimmer. “Wir fühlen uns wie Brüder”, sagt Reinhold Yabo – ganz klar, dass die beiden auch bei der Fußball-WM der “Unter 17-Jährigen” (U 17) in Nigeria wieder zusammen wohnen“, war auf der Internetseite des WDR kürzlich wieder über den „Doppelpass“ der beiden zu lesen.

Natürlich ist es auch dem 1. FC Köln nicht entgangen, welches Potenzial in den Reihen seiner Jugendmannschaften schlummert. Auch wenn es von offizieller Seite noch nicht bestätigt wurde, pfeifen es die Spatzen in Köln längst von den Dächern: Beide Spieler wurden in der vergangenen Woche mit langfristigen Profiverträgen ausgestattet. Selbstverständlich ein günstig gewählter Zeitpunkt vom FC, denn bei der Weltmeisterschaft in Nigeria wird es wieder von Talentspähern wimmeln, die darauf aus sind, die talentiertesten Jungs für ihre Teams abzuwerben. Schon bei der U17-Europameisterschaft in diesem Jahr sollen Bienvenue Basala-Mazana bereits Vertragsangebote von italienischen und englischen Spitzenteams ins Haus geflattert sein.

Dass es bei der Vergabe der Profiverträge aber wohl nicht nur um eine reine „Vorsichtsmaßnahme“ des 1. FC Köln handelt, zeigt die Tatsache, dass Basala-Mazana und Yabo regelmäßig im Profikader von Trainer Zvonimir Soldo mittrainieren. Ein Debüt in der höchsten deutschen Spielklasse scheint also mehr oder minder nur noch eine Frage der Zeit zu sein, möglicherweise sogar schon in der aktuellen Spielzeit. Auch wenn der Trainer in der Anfangsphase der Saison bisher lieber auf erfahrene Spieler setzt, ist es durchaus denkbar, dass die beiden Nachwuchsspieler bei einem entsprechenden Saisonverlauf ohne akuten Abstiegskampf bei den Profis zum Einsatz kommen werden. Schließlich betonte der Trainer schon vor der Saison, dass es sein Ziel ist, mindestens einen Jugendspieler pro Saison bei den Profis zu etablieren.

Bis es soweit sein wird, können die Fähigkeiten der beiden FC-Ausnahmetalente bei der U17-Weltmeisterschaft in Nigeria beobachtet werden. Heute bestreitet das deutsche Team das Auftaktspiel gegen den WM-Gastgeber. 60.000 Zuschauer (!) werden in Abuja gegen Titelverteidiger Nigeria erwartet. Anstoß ist um 20.00 Uhr, Eurosport überträgt die Partie live im TV.

(Text: effzeh., Foto: Andreas Schwartmann)

Premiere im Profikader

Nach dem Spiel von Eintracht Frankfurt gegen Hannover 96 stand Marcel Titsch-Rivero in der Mixed-Zone und strahlte. Am Tag zuvor war er von Michael Skibbe zum ersten mal in den Bundesligakader der Eintracht berufen worden. Und auch wenn er beim 2:1 Sieg der Hessen nicht zum Einsatz kam, war dies doch ein großer Tag für ihn.

„Es ist ein tolles Gefühl, wenn du durch den Spielertunnel zum Warmmachen auf das Feld läufst und die Fans siehst, den Rasen – einfach nur Gänsehaut. Klar, dass ich bei so einem engen Spiel als Neuling nicht gebracht werde, auch wenn ich es mir gewünscht hätte. Wir müssen vorne entschlossener agieren und auch mal mit zwei Toren in Führung gehen – dann bekomme ich auch meine Chance“.

Marcel Titsch-Rivero nach dem Spiel gegen Hannover 96Nach dem Spiel gegen Hannover: Marcel Titsch-Rivero zwischen Zlatan Bajramovic (l) und Caio (r). Foto: Stefan Krieger.

Obgleich er nur auf der Bank Platz nehmen durfte, war Marcel doch recht nervös, wie er offen zugab. Erst als die Spieler während des Spiels hinter die Tore zum Warmlaufen geschickt wurden, legte sich die Unruhe.

Während sein Kamerad Sebastian Jung nach dem unglücklichen Ausscheiden der U20 bei der WM in Ägypten immerhin zu einem Kurzeinsatz gegen Hannover kam, muss sich Marcel noch gedulden. Es gibt wenig Positionen bei der Eintracht, die so dicht besetzt sind, wie im zentralen Mittelfeld, defensiv wie offensiv, Sechs oder Acht. Schwegler, Chris, Bajramovic, Teber – alles Spieler, die so einfach nicht zu verdrängen sind, selbst wenn wie gegen Hannover Teber und Schwegler gesperrt waren und Chris in die Innenverteidigung rücken musste. Aber Marcel ist geduldig; alleine der Platz auf der Bank ist schon ein Schritt nach vorne.

In der Woche zuvor absolvierte die Eintracht ein Freundschaftsspiel bei Skoda Xanthi – und Marcel stand über die gesamte Spielzeit auf dem Platz. Zunächst auf der Sechs rückte er nach der Auswechslung von Maik Franz in die Innenverteidigung – und verschuldete in der 46. Minute einen Foulelfmeter, den die Griechen zum 1:0 verwandeln konnte – am Ende hieß es aber 4:2 für die Eintracht und Trainer Skibbe sagte über seinen Schützling, dieser habe eine sehr erfreuliche Leistung gezeigt.

„Was bin ich froh, dass wir gewonnen haben, sonst hätte es an mir gelegen, dass der freie Tag gestrichen wird“ lachte Marcel einige Tage später nach dem Spiel der U23 gegen die Stuttgarter Kickers. Soeben hatte der Nachwuchs der Eintracht den ambitionierten Traditionsverein mit 3:1 besiegt. Den Grundstein legte Marcel selbst, als er in der 49. Minute nach einem scharf hereingetretenen Freistoß von Sebastian Jung per Kopf die 1:0 Führung erzielte.

Schon gegen den VfR Aalen brannte Titsch-Rivero darauf, ein Tor zu machen, er spielte sehr offensiv beinahe auf Linksaußen – die Partie gegen den damaligen Spitzenreiter der Regionalliga Süd endete jedoch 0:0. Immerhin konnte in einem Nachholspiel des 5. Spieltages die Eintracht aus Bamberg mit 3:0 besiegt werden. Nach diesem Spiel war Marcel noch unzufrieden mit sich.

„Ich habe in dieser Woche nicht gut trainiert und auch heute nicht mein bestes Spiel gemacht. Im Moment habe ich einen kleinen Hänger, aber ich werde weiter hart arbeiten – und ich werde meine Chance auch bei den Profis bekommen“. Generell ist die Torausbeute das Manko der Regionalliga Mannschaft der Frankfurter Eintracht. Während die Abwehr nur schwer zu überwinden ist, hapert es im Torabschluss, nach 11 Spielen lautet das Torverhältnis 13:9; zwei Treffer davon gehen auf das Konto von Marcel Titsch-Rivero, der zudem immer mehr in den Focus der lokalen Medien gerät.

Die Beilage Heimspiel der Frankfurter Rundschau widmete ihm zum Heimspiel gegen Stuttgart einen Beitrag: „Klubchef Heribert Bruchhagen hat ihn und die drei anderen Azubi-Profis unlängst im Fernsehen als “wunderbare Spieler” geadelt“ konnte man dort lesen.

Auch im Stadionmagazin der U23 wurde Marcel portraitiert. Dort wird der Leiter des Leistungszentrums und ehemalige Bundesligaprofi Armin Kraaz wie folgt zitiert: „Sebastian Jung und Marcel Titsch-Rivero sind in Sachen Einstellung Vorzeigemodelle“.

Zeichen setzen. Foto: Andy Sanders.Zeichen setzen. Foto: Andy Sanders.

Viel Lob also für unsere Nummer 36, der zu Beginn des Monats einen kleinen Durchhänger hatte und nun umso besser wieder in die Spur zu kommen scheint.

(Text: Axel Hoffmann und Stefan Krieger)

“Abgeschoben”?

In den Stuttgarter Nachrichten stand vor einigen Tagen zu lesen, Sebastian Rudy sei “zu den Amateuren abgeschoben” worden. Manager Horst Heldt gab, mit dieser und anderen Personalien konfrontiert, unter anderem folgendes zu Protokoll:

“Jede einzelne Entscheidung ist wohlbegründet. Solche Vorwürfe greifen viel zu kurz. Eine Meinung kann man sich eigentlich nur erlauben, wenn man täglich mit den Spielern zu tun hat.”

Demzufolge erlaube ich mir zwar keine Meinung, aber gegen ein wenig Verwunderung wird der Herr Heldt sicher nichts einzuwenden haben. Nach dem Spiel gegen Köln, in dem Rudy als Einwechselspieler seine fußballerischen Fähigkeiten mehrfach angedeutet hatte (dass er etwas energischer hätte auftreten können, ist unbestritten), rückte er zunächst in die Startformation für das Pokalspiel in Lübeck. Dort hinterließ er dem Vernehmen nach keinen guten Eindruck und wurde zur Pause ausgewechselt, um sich drei Tage später in der Dritten Liga wieder zu finden. Gegen Dortmund II machte Rudy ein gutes Spiel (Kicker-Note 2,5) und erzielte ein Tor, blieb aber eine Woche später, obwohl in der Bundesliga auch noch Timo Gebhart verletzt ausfiel, im Drittligakader für das Spiel in Kiel. Derzeit ist er mit der U21 unterwegs, konnte sich also nicht im Training aufdrängen, und es würde mich sehr überraschen, wenn er am Wochenende gegen Schalke wieder im Bundesligakader wäre.

Wie gesagt: ich habe nicht täglich mit Rudy zu tun. Ich sehe als Zuschauer, dass er verdammt gut Fußball spielen kann, und ich räume ein, dass einige Defizite unübersehbar sind. Möglicherweise ist die sportliche Leitung auf ungleich fundierterer Basis “wohlbegründet” zu dem Schluss gekommen, dass Sebastian Rudy der Bundesligamannschaft in der derzeitigen kritischen Situation nicht helfen kann, im Idealfall ergänzt um den Gedanken, dass ihm Spielpraxis und Verantwortung in Liga Drei gut tun. Ich hoffe sehr, dass sie mit ihrer Entscheidung richtig liegen, und kann mir durchaus vorstellen, dass ich selbst in ihrer Situation kurzfristig ähnlich gehandelt hätte.

Und dennoch bleibt beim Außenstehenden das ungute Gefühl, dass Rudy wie schon unter Armin Veh längerfristig zurückgestuft werden könnte.

Was andere über ihn sagen…

… interessiert mich ja sonst nicht. Wer schaut sich schon regelmässig Trainingseinheiten oder Spiele der Zweiten des HSV an?

Wenn aber Dieter Matz, gefühlte 800 Jahre Reporter beim Hamburger Abendblatt und für den HSV zuständig, in seinem Blog etwas über Hanno Behrens sagt, dann werde ich hellhörig.

Ich zitiere:

Es wurde dazu bei „Matz ab“ auch nach Hanno Behrens gefragt („Propper 74“). Ich sah ihn kürzlich gegen den Regionalliga-Letzten Plauen (1:1), da war er zwar torungefährlich, aber er kämpfte, lief und rackerte 90 Minuten. Er war immer auf Achse, und er war bemüht, da vorne etwas zu reißen. Für die Bundesliga aber, so Leid es mir tut, wird es nicht (noch nicht) reichen.
Quelle: matz ab vom 06.10.2009

Er war bemüht, lief und rackerte, nach vorne aber ungefährlich. Es reicht aber noch (!) nicht für die Bundesliga. Nach einem direkten Anruf von Bruno Labbadia hört sich das nicht an.

Derzeit besteht aber auch kein Bedarf an defensiven Mittelfeldspielern. Aber Zé Roberto ist nicht gerade als Jungspund zu bezeichnen und David Jarolim hat die 30 auch schon gerissen. Also sind Perspektiven für ein 19 jährigen da.

Was auch immer passiert, wir halten euch auf dem Laufenden.

Deutschland – Nigeria 3:2

Deutschland schlägt in einem spannenden Spiel im Achtelfinale der U-20-WM Nigeria nach Rückstand und roter Karte mit 3:2. Man möchte die Emotionen teilen, weil es sicherlich nicht alle in der Live-Übertragung bei Eurosport gesehen haben. Aber da Eurosport selbst kein Video zur Verfügung stellt und das Einbetten von Youtube-Videos – nun ja – rechtlich heikel ist, bleibt nur der verschämte Link auf die Zusammenfassung. Was wäre das schön, man könnte ganz legal von der Relive-Seite beim übertragenden Sender eine Zusammenfassung hier oder wo auch immer einbetten. Kann ja keiner sagen, dass dadurch irgendjemand finanziell oder psychologisch zu Schaden kommen würde. So könnte man dem Juniorenfußball zu ein wenig mehr Aufmerksamkeit verhelfen, wenn man das – meinetwegen mit klarem Absender und 27.000 Rechtehinweisen im Player – verbreiten könnte. Aber egal, gesehen haben sollte man das wunderbare Solo von Linksverteiger Björn Kopplin in der 93. Minute auf jeden Fall.

Das Gespenst des schnellen Aufstiegs

Spieler des Monats, acht Spiele – acht Einsätze im Star-Ensemble der Bayern, Lob vom Namensvetter, der im selben Atemzug die Sturmkollegen niedermacht: Es läuft rund für Thomas Müller seit August 2009. Die mediale Aufbereitung der Geschichte der #25 in dieser Saison folgt jetzt dem altbekanntem Muster. Beispiele gefällig?

Es ging gut weiter für die Nummer 25 des FC Bayern, der sich in den vergangenen Wochen – und diese Entwicklung ist tatsächlich mit dem Superlativ “sensationell” korrekt bewertet – in die erste Elf des FC Bayern gespielt, geschossen und gerannt hat.

“Der junge Kerl ist unglaublich, kann rechts wie links, so wie ich, der ist schnell, kopfballstark – den kannst Du zur WM nehmen.”

Da haben wir das “sensationell” und auch von der WM, für die man sich noch nicht qualifiziert hat, wird das erste Mal öffentlich geredet. Natürlich sind sich Deutschlands Schreiberlinge ihrer Verantwortung bewusst. Und so schreibt Kicker-Autor Karlheinz Wild dann auch pflichtbewusst einige Zeilen später:

Diese pädagogische Vorsicht – der junge Mann soll nicht abheben – scheint bei Thomas Müller derzeit gar nicht nötig: Er kommt natürlich daher, unbeschwert, aber schon sehr professionell.

Was alles und nichts bedeuten kann. Und vom selben Autor gnadenlos in den nächsten Monaten widerrufen werden wird, wenn es sich anbietet. Motto: “Konnte mit dem schnellem Erfolg nicht umgehen” Diese Aussagen und Klischees der Güteklasse “finnische Sportler reden nie” oder “alle Brasilianer können gut mit dem Ball umgehen” sind mittlerweile so abgedroschen und langweilig, dass man vermuten könnte, sämtliche Sportjournalisten benutzen seit Jahren die selbe Phrasendreschmaschine.

Da wir hier nicht in der Pflicht stehen, bei diesem Spielchen mitzumachen: Man kann nach den ersten zwei Monaten der Bundesligasaison ganz entspannt festhalten. Die Entwicklung und vor allem die Einsatzzeiten von Thomas Müller sind überraschend und erfreulich – für ihn und den FC Bayern. Ein wichtiger Schritt zur Stammkraft im Profifußball ist geschafft. Nicht mehr und nicht weniger. Und wenn man die Spieler von 18mal18 vergleicht, nimmt Müller im Moment ziemlich unangefochten die Spitzenposition ein. Außerdem hat er den Vorteil, dass er bei diesem ersten Schritt die Bürde des frühen Lobs oder einer hohen Ablösesumme (wie bei Holtby) nicht mit sich rumtragen muss. In welche Richtung das nach diesen zwei Monaten geht, ist aber letztendlich weiterhin völlig offen.

Thomas Müller hat allerdings im Moment einen großen Vorteil. Er vollzieht diesen schwierigen Schritt vom Talent zum wichtigen Bestandteil der Mannschaft – man muss ja nicht gleich von Stammkraft sprechen – beim FC Bayern im Schatten von Ribery, Robben, Klose, Lahm und Gomez. Und das ist nicht die schlechteste Ausgangslage. Wie sehr das Gespenst des schnellen Aufstiegs nämlich zuschlagen kann, auch wenn man die erste Hürde längst geschafft hat und fußballerisch schon einiges erreicht und gezeigt hat, kann man dieser Tage in einem bemerkenswertem Interview der “Zeit” mit Sebastian Deisler nachlesen.

Man sollte Müller also eher wünschen, dass ihm jetzt nicht nach zwei positiven Monaten in der Bundesliga die Knüppel namens “Nationalmannschaftsnominierung”, “Jahrhunderttalent” oder “Hoffnungsträger” zwischen die Beine geworfen werden und er diese vielversprechende Entwicklung noch eine Weile fortsetzen kann. Denn so ein Schritt braucht naturgemäß auch Zeit um menschlich und sportlich verarbeitet und einsortiert zu werden.

Mario Götze ist fit … und fährt nach Nigeria

Mario Götze ist wieder fit und fährt mit den U-17 DFB Junioren zur WM nach Nigeria.

Endlich wieder am Ball …
Nachdem Mario in den Bundesligapartien gegen Köln, Gladbach und Wattenscheid verletzungsbedingt aussetzen musste, geht es für ihn jetzt auf dem Schwarzen Kontinent endlich weiter. Es ist natürlich nicht sicher, dass Mario ähnliche Akzente setzt, wie bei der U-17 EM im eigenen Land. Es steht allerdings fest, dass genau diese Events förderlich in der Entwicklung des Dortmunder Spielers sind. Ich freu mich sehr auf das Turnier vom 24.10.2009 bis zum 15.11.2009. Und werde euch mit Ergebnissen und Spielberichten der WM füttern …