Die letzten Wochen verliefen für Sebastian Rudy eher durchwachsen. Zwischenzeitlich als einer der Gewinner der Saisonvorbereitung gehandelt, musste er sich angesichts der Neuverpflichtungen für das Mittelfeld zunächst wieder hinten anstellen und fand sich nach seinem Startelfdebüt in Dortmund und dem anschließenden Cl-Qualifikationsspiel gegen Timisoara mehrfach auf der Tribüne wieder. Als Trainer Babbel Mitte der vergangenen Woche zudem ankündigte, das Rotationsprinzip wieder außer Kraft zu setzen, versprach das auch nicht unbedingt mehr Einsatzzeiten für den jungen Mann.
Umso erfreuter war ich, Rudy am Samstag gegen den 1. FC Köln vor dem Spiel auf dem Platz zu sehen. Zwar trog die kurzzeitig aufkeimende Hoffnung, er spiele von Beginn an; doch die weitgehende Abwesenheit von Spielkultur, Kreativität und nicht zuletzt der nötigen Leichtigkeit im Spiel des VfB erforderten Veränderungen im Mittelfeld, sodass er in der 62. Minute für den angeschlagenen Zdravko Kuzmanovic eingewechselt wurde und fortan auf der linken Seite für Belebung sorgen sollte. Dies war angesichts der schwachen Leistung der gesamten Mannschaft kein einfaches Unterfangen; gleichwohl erfuhr er bereits für seine erste Aktion – ein gelungenes, wenn auch letztlich brotloses Dribbling – Anerkennung von den Rängen: „Ha, der Rudy, der kann wenigstens kicken“, hieß es ganz in meiner Nähe.
In der Folge hatte er einige weitere gefällige Situationen, in denen seine Ballfertigkeit zum Tragen kam, ohne jedoch allzu viel Wirkung zu erzielen. An zwei der besten Torchancen des VfB war er indes beteiligt: die eine hatte er selbst (schön freigespielt vom Khedira), verpasste aber den raschen Abschluss von der Strafraumgrenze und scheiterte nach zwei Haken an einem Abwehrspieler. Die zweite war Timo Gebharts Kopfball, den Torwart Mondragon mit einem starken Reflex parierte. Vorausgegangen war die erste gefährlich vor das Tor geschlagene Stuttgarter Ecke des Spiels (vermutlich der gesamten Saison, zumindest gefühlt), getreten von Rudy.
In einigen Situationen wirkte er hingegen etwas zu „brav“, insbesondere beim Versuch der Balleroberung hätte man sich etwas mehr Entschlossenheit gewünscht, ansonsten vielleicht auch noch etwas mehr Frechheit und Selbstvertrauen. Als er sich bei einem Versuch, zur Grundlinie durchzudribbeln, von Kölns Christopher Schorch ohne größere Gegenwehr abdrängen ließ, kam die Kritik aus meinem Block unmittelbar:
„Mensch Rudy, lass Dich nicht so abkochen, Du bist doch kein Amateur!“
Zunächst war ich empört, dass jemand sich erdreistete, „meinen Schützling“ so zu kritisieren. Andererseits, dachte ich bei mir, hat er recht. „Der Rudy“ ist kein Amateur mehr. Er ist Profi, kommt mit einer gewissen Regelmäßigkeit zum Einsatz, und das ist doch erst mal nicht schlecht. Mit den gestiegenen Erwartungen wird er sich arrangieren, da bin ich guter Dinge.
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